Sudbury Schule steht vor einem Prozess, der Weichen stellt!

Sudbury Schule Ammersee bittet um Geld für einen Gerichtsprozess, der Weichen stellt für die gesamte Bewegung Demokratischer Schulen in Bayern

Ende des Jahres entscheidet das Verwaltungsgericht München, ob die Sudbury Schule Ammersee wieder eröffnen darf. Dabei geht es um das Schicksal der gesamten Bewegung demokratischer Schulen, die bisher von der bayrischen Regierung systematisch ausgebremst werden.

Es ist ein Prozess von großer Reichweite: Voraussichtlich im November oder Dezember verhandelt das Verwaltungsgericht München die Klage der Sudbury Schule Ammersee gegen den Freistaat Bayern. Dabei geht es um nicht weniger als die gesamte Bewegung der demokratischen Schulen in Bayern: Gewinnt die Sudbury Schule Ammersee, bedeutet dies, dass nicht nur sie wieder eröffnen darf, sondern auch, dass die Regierung all die anderen Gründungsinitiativen nicht mehr ausbremsen kann, wie sie dies derzeit tut. Ingolstadt, Regensburg, München, Augsburg werden Steine in den Weg gelegt, aktuell wurde den Nürnberger Schulgründern der Start verweigert. „Hier wird systematisch ein innovatives Schulkonzept blockiert, dass in vielen anderen Ländern und auch in Deutschland in fast allen Bundesländern hocherfolgreich ist“, sagt Sudbury-Sprecherin Gerlinde Rüdinger-Wagner.


Das große Drama: Seit der Schließung konnte sich die Schule gerade so dank Spenden über Wasser halten, Kredite tilgen, Miete und Anwaltskosten zahlen. Jetzt, nach fast eineinhalb Jahren und kurz vor Prozessbeginn, geht ihr das Geld aus! Das große Drama: Seit der Schließung konnte sich die Schule gerade so dank Spenden über Wasser halten. Nach fast eineinhalb Jahren und kurz vor Prozessbeginn geht ihr das Geld aus! „Wir können jetzt nur auf Unterstützung hoffen! Es geht ja nicht um uns, sondern um die Kinder und Familien. So viele Menschen wünschen sich ein anderes Bildungssystem und Mitbestimmung an Schulen. Hier können wir zusammen wirklich etwas bewegen!“ 30 000 Euro seien nötig, um Gerichts- und Anwaltskosten zahlen und bestmöglich aufgestellt in den Prozess gehen können.


An Demokratischen Schulen entscheiden die Schüler selbst, was und wie sie lernen und sind an allen wichtigen Beschlüssen beteiligt. Weltweit sind die Schulen im Aufwind. Auch die bayrischen Gründungsinitiativen haben alle bereits jetzt zahlreiche Anmeldungen, aber Bayern blockt systematisch ab: die Schulen seien nicht mit dem Bildungsgesetz vereinbar. Für die Schulgründer ein vorgeschobener Grund! Als die ersten Montessori- oder Waldorfschulen aufkamen, hatte die Regierung sie mit ähnlichen Argumenten zu verhindern versucht. „Hier ist dringend ein eine neue Sicht auf Lernen in den Behörden erforderlich. Viele Menschen im Land sind da schon viel weiter. Sie wollen andere Schulen! Wir würden uns wünschen, dass dies auch die Gerichte anerkennen“, betont die Sudbury-Sprecherin.


Die Sudbury Schule Ammersee war 2016 nach nur zwei Jahren geschlossen worden, erste Schüler hatten da sogar schon ihre Abschlüsse gemacht, die Schüler liebten ihre Schule, manche hatten zum ersten Mal nach Jahren überhaupt wieder Lust am Lernen gefunden, Eltern waren zufrieden, Schulexperten wie Simone Fleischmann, Vorsitzende des bayrischen Lehrerinnen- und Lehrerbundes, begeistert, auch hatte die Schule den Behörden vorgeschlagen, die Sudbury-Schule als Schulversuch – hochtransparent und mit wissenschaftlicher sowie staatlicher Begleitung – laufen zu lassen. All das wurde vom Tisch gefegt.
In dem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht sehen die Schulgründer durchaus Chancen, auch, wenn ihr Gesuch auf vorläufige Weitergenehmigung zunächst im Eilverfahren abgelehnt worden war. „Bisher wurde nur aufgrund der Aktenlage entschieden, ohne, dass wir persönlich gehört wurden und ohne, dass in die Tiefe gegangen werden konnte. Wir haben gute Argumente und Belege, die für den Erfolg unserer Schule sprechen, nur brauchen wir jetzt dringend Geld“, sagt Gerlinde Rüdinger Wagner. „Es darf nicht sein, dass die Regierung mit ihrer Verhinderungspolitik durchkommt, nur, weil sie am längeren Hebel sitzt!“

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