Ausrichtung und Antragstellung für einen Schulversuch und Weitergenehmigung

Bayerisches Staatsministerium

für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

Salvatorplatz 2  80 333 München

Ludenhausen, 14.06.2017 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,  

der Ihnen vorliegende Antrag des Trägervereins Sudbury München e.V. für die Genehmigung eines Schulversuch für die Sudbury Schule Ammersee mit Beginn des Schuljahres 2017/2018, begründet, warum wir einen Schulversuch als die schulrechtlich geeignetste und erfolgversprechendste Form für die Sudbury Schule Ammersee sehen. Zeitgleich reichen wir bei der Regierung Oberbayern einen Antrag auf Verlängerung der Genehmigung als Ersatzschule von Jahr 2014 für die Sudbury Schule Ammersee als nachrangige Option ein.  

Im Folgenden möchten wir Ihnen erläutern, warum wir, wenn wir verantwortungsvoll eine gelingende Neueröffnung der Sudbury Schule Ammersee in die Wege leiten wollen, keinen anderen Weg sehen, u.a. auch um der finanziellen Verantwortung als Schulträger gerecht zu werden.

Bei der letzten Genehmigung im Jahr 2014 war es, so denken wir, allen Beteiligten klar, dass man mit dem Sudbury Modell häufig an die Grenzen des rechtlichen Rahmens einer Ersatzschule stoßen würde. Dies hat unseres Erachtens zu Verunsicherungen und wachsendem Misstrauen auf beiden Seiten geführt.

Im Gespräch vom 12.05.17 mit der Regierung Oberbayern über die Entwicklung der demokratischen Schulen berichtete der Bildungsexperte und Regierungsberater Yaacov Hecht, dass in Israel die Behörden zunächst auch skeptisch waren. Mittlerweile ist die demokratische Schulbewegung jedoch fester Bestandteil des Bildungssystems und hat sich zu einem nachhaltigen Impulsgeber für das konventionelle Schulsystem entwickelt. Skepsis gegenüber dem Sudbury Konzept hatte auch der Bildungsforscher Peter Gray aus Boston (ebenfalls Teilnehmer an dem besagten Gespräch) angetrieben, sich wissenschaftlich intensiv mit der Sudbury Pädagogik auseinanderzusetzen. Seine Langzeitstudien zeigen, dass Sudbury Schüler erfolgreiche Lebenswege beschreiten.     

Skepsis gegenüber Neuem ist also nichts Ungewöhnliches. Die Beispiele zeigen auch, dass und wie sie überwunden werden konnten. Die Behörde braucht Transparenz und Sicherheit. Mit dem neu ausgearbeiteten erweiterten Sudbury Konzept entsprechen wir diesem Bedürfnis und gehen gleichzeitig mit der internationalen Erforschung weit darüber hinaus. Um die Skepsis seitens einer Behörde aus dem Weg zu räumen, braucht es aber auch Möglichkeiten, in denen sich so ein Konzept entfalten und beweisen kann. Dies sehen wir auf der Grundlage eines Schulversuchs. Hier braucht es also Mut, neue Wege einzuschlagen, sich zu trauen, das Neue zu unterstützen.

Wir sind überzeugt von der Innovationskraft und der Aktualität der demokratischen Bildung. Demokratie ist in aller Munde, demokratische Bildung in Europa noch wenig erforscht. Über internationale wissenschaftliche Forschung, gerade auch mit einem Bildungspartner wie Israel (wo bereits 30jährige Erfahrung mit demokratischen Schulen vorliegt), könnte Bayern sowohl Deutschland- wie auch Europaweit neue Impulse setzen.

Wir als Träger sehen allerdings auch, dass ein erneuter Start der Sudbury Ammersee nur gelingen kann, wenn das bayrische Kultusministerium hier den Mut zeigt, Innovation einen geeigneten Rahmen zu geben und die grundsätzliche Bereitschaft hat, dieses innovative Projekt zu unterstützen, auch auf finanzieller Ebene. Hier sind wir in jedem Fall auf die volle Unterstützung angewiesen. Ohne diese haben wir keine Möglichkeit für einen Neustart. Ein Schulversuch könnte hier, sowohl dem Kultusministerium wie auch dem Träger, mehr Möglichkeiten geben. Dem Träger würde realistischerweise die Außenwirkung eines solchen Signals es sicherlich erleichtern, fehlende Gelder zu generieren (Stiftungen, Europäische Töpfe z.B. zum Thema Demokratie und Demokratische Bildung, israelisch-deutsche Verbindungen, etc.).

Die zuletzt genannten Punkte erachten wir als essentiell für das Gelingen und den nachhaltigen Erfolg der Wiedereröffnung der Sudbury Schule Ammersee.

Bayern ist bekannt für Mut und Innovation auf vielen Ebenen. Wir sind bereit unseren Teil mit sehr viel Engagement, Kreativität und Herzblut zu geben.

Es wäre wunderbar, wenn diese Kräfte in Hinblick auf das gemeinsame Ziel zusammenkommen, jedem Kind eine Bildung zu ermöglichen, die ihm entspricht. In diesem Sinne hoffen wir auf Mut und Unterstützung!

 

i.A. Gerlinde Rüdinger-Wagner

Trägerverein Sudbury München e.V.

 

Antrag auf Schulversuch mit Begründung: Link

 

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