Aktueller Stand der Dinge zum Ende des "Schuljahres"

Liebe Freunde und Unterstützer,
viele von Euch fiebern seit Monaten mit, drücken Daumen und helfen, wo sie
können. Das hat uns immer wieder getragen und Mut gemacht.

Leider sind die Ergebnisse der Verhandlungen, die wir seit Monaten mit der
Regierung von Oberbayern und dem Kultusministerium geführt haben, ernüchternd!
Nachdem zunächst die Erklärung in den Raum gestellt wurde, man sei bereit, uns
ab Schuljahr 2017 als Modellschule laufen zu lassen, wurde dies später wieder
zurückgenommen. Stattdessen hieß es nun:

- Wir würden, wenn überhaupt, nur als neue Schule wiedergenehmigt, also mit
einer minimalen finanziellen Förderung, die für uns angesichts noch laufender
Verbindlichkeiten, gar nicht möglich wäre.
- Wir müssten unser Konzept bis in die Satzung hinein ändern: Die
Selbstbestimmung streichen, verpflichtende Lernzielverabredungen mit den
einzelnen Schülern treffen, eine Form von Zeugnissen einführen…
- Auch würde unser Antrag auf Weitergenehmigung schon formell nicht den
Richtlinien entsprechen, weshalb wir im September 2017 OHNEHIN NICHT anfangen
könnten. Wir hätten stattdessen eine Neugenehmigung beantragen müssen, was wir u.a. nicht taten,
weil sonst die Finanzierung der Schule nicht sichergestellt gewesen wäre.


Wir hatten eine Menge Kompromissvorschläge mit eingebracht, die aber alle
weggewischt wurden:

- Das Zentrum für angewandte Politikforschung der LMU hatte zugesagt, uns
wissenschaftlich zu begleiten.
- Zudem hatten wir eine Evaluation durch unseren Internationalen
wissenschaftlichen Beirat vorgeschlagen. In diesem sitzen ausschließlich
hochkompetente, sehr angesehene Fachleute, die mit ihrer Forschung immer wieder
entscheidende Entwicklungen angestoßen haben. War für die Regierung auch nicht
von Bedeutung…
- Außerdem hätten uns zwei staatliche Schulräte begleiten und regelmäßig
besuchen sollen, sozusagen als Bindeglied zwischen Schule und Behörde.

Laut unserer Anwälte wäre es möglich gewesen, dass die Regierung ihre Ablehnung
zurückgezogen hätte, man hätte einen Kompromiss gefunden und diesen dem Gericht
vorgelegt.

Aber all das hat nicht gereicht! Zwar haben wir die schriftliche Ablehnung noch
nicht vorlegen, aber die Regierungsbeamten haben uns deutlich gemacht, dass sie
den Antrag nicht genehmigen werden. Wir hätten uns sehr gewünscht, dass hier
eine Einigung zustande gekommen wäre.

Wir alle sind mehr als enttäuscht, vor allem die Schüler, die so gehofft hatten,
das sie bald wieder in IHRE Schule gehen können. Viele von ihnen sind wirklich
in Not und es geht ihnen schlecht mit der Schließung. Es gibt immer noch eine
zweistellige Zahl von Schülern, die keinen guten Platz gefunden haben. So
entsteht jetzt die absurde Situation, dass hoch engagierte Eltern, die sich seit
Jahren für Bildung engagieren und hierfür große persönliche Einbußen in Kauf
nehmen, auch noch Bußgelder zahlen sollen und sich vor Gericht verantworten
müssen!

Gerade deshalb und natürlich, weil wir überzeugt sind vom Sudbury Modell, werden
wir weitermachen! Es wurde viel zerstört, unser aller Herz für diese Schulform und die Werte, für
die wir stehen, nicht!

Unsere Konzentration gilt jetzt dem Hauptsacheverfahren.
Wir sehen hier die Chance, nochmal alles in Rennen zu werfen, uns bestmöglich vorzubereiten und ganz klar aufzuzeigen, wie Lernen an einer Sudbury Schule stattfindet und wie die Bildungsstandards eindeutig erreicht werden können. Sobald der Termin für das Verfahren feststeht, sagen wir Bescheid.
Nebenbei bemerkt haben auch in diesem Jahr wieder drei Schüler selbstbestimmt
ihren Abschluss (Quali) geschafft. Eine der Drei war für kurze Zeit an einer
Montessorischule, hat sich aber die meiste Zeit an der Sudbury-Schule
vorbereitet, die anderen beiden haben ohne Schule, aber im Geiste von Sudbury
selbstbestimmt auf den Abschluss hin gelernt. Alle haben souverän bestanden!

Was wir bei all dem lernen, ist, wie nahezu unmöglich es ist, in der
bayerischen Bildungslandschaft etwas zu verändern, wie sehr Machtinteressen
hier eine Rolle spielen, wie wenig es um Fairness und Vielfalt geht, – und am
allerwenigsten geht es um die Schüler!

Was wir uns jetzt sehr wünschen: Bitte bleibt weiter dabei! Unterstützt uns!
Jede ermutigende Email tut gut, jeder Kontakt zu Vertretern der Wirtschaft
oder zu Politikern, den ihr aktiviert, kann hilfreich sein, jede Person mehr
an unserer Seite stärkt uns!

Auch finanziell schaffen wir es nicht alleine! Für den Gerichtsprozess werden
wir nochmal alles in die Waagschale werfen, wir wollen alles geben - das
kostet Zeit und Geld. Wenn ihr uns hier unterstützt, dann setzt ihr Euch für
echte Veränderung in der bayrischen Bildungslandschaft ein und ihr helft auch
den anderen demokratischen Schulgründungsinitiativen, die hier in Bayern
bislang vergeblich um eine Genehmigung gekämpft haben.

Ganz klar: Hier wird versucht, eine ganze Bewegung auszubremsen – das darf
nicht sein und rückt Bayern auch nicht gerade in ein gutes Licht: Aktuell ist
es das einzige Bundesland, in dem es keine demokratische Schule gibt!

Auf unserer Benefizveranstaltung hatte Yaacov Hecht, Vorreiter für
demokratische Schulen aus Israel, in die Zukunft geschaut und erklärt, er sei
fest davon überzeugt, dass es in zehn Jahren auch in Deutschland überall
Demokratische Schulen gibt. Lasst uns gemeinsam den nächsten Schritt tun,
damit er Recht behält!

Ganz liebe Grüße, Euer Team der Sudbury Schule Ammersee

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